Klinik am Homberg, Bad Wildungen, Fachklinik für Orthopädie, Psychosomatik und Psychotherapie
Druckversion vom 01.09.2010
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Seite: Gonarthrose


Gonarthrose

Was versteht man unter einer Gonarthrose?

Einfache Übersetzung von Gonarthrose: Kniegelenkverschleiß. Die Verschleißerscheinungen können sowohl isoliert oder aber auch bevorzugt den inneren oder äußeren Kniegelenkanteil wie die Gelenkfläche hinter der Kniescheibe betreffen. Die unterschiedlichen Bezeichnungen der Gonarthrose können zunächst hinweisen auf den hauptbetroffenen Kniegelenkanteil, so bedeutet mediale Gonarthrose, dass der innere Anteil bevorzugt betroffen ist, die laterale Gonarthrose meint den äußeren Anteil und eine sogenannte Retropatellararthrose heißt, hier ist die Kniescheibengelenkfläche betroffen. Sind alle 3 Gelenkanteile betroffen, spricht man von einer Pangonarthrose.  

Eine weitere grobe Unterscheidung ergibt sich durch die Bezeichnung primäre Gonarthrose, dies heißt, dass ein spezifischer Verursacher nicht bekannt ist. Bei einer sekundären Gonarthrose sind besondere, die Entstehung und den Fortschritt der Krankheit fördernde Ursachen bekannt.  

Wie häufig tritt die Gonarthrose auf?

Abnutzungs-Gelenkerkrankungen, also Arthrosen und somit auch die Gonarthrose sind von großer sozialmedizinischer Bedeutung durch ihre Häufigkeit.

Zu verstehen ist die Dimension, wenn man sich vor Augen hält, dass letztlich jeder Mensch Arthrosen entwickelt, sofern er sie erlebt. Das soll heißen, dass der Gelenkverschleiß jeden Menschen früher oder später betreffen wird.  

Die Häufigkeit der Gonarthrose ergibt sich auch aus der Reihenfolge der häufigsten von Arthrose befallenen Strukturen: Zunächst die Wirbelsäulenveränderungen, dann bereits das Kniegelenk (Gonarthrose) als nächstes die Arthrosen des Schultergelenks (Omarthrose), des Hüftgelenks (Coxarthrose), des Daumensattelgelenks (Rhizarthrose) sowie der Fingerend- und –mittelgelenke.

Anzufügen ist noch, dass bereits zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr bei ungefähr 50 % der Bevölkerung Arthrosezeichen im Knie gefunden werden können, ab dem 70. Lebensjahr bestehen bei jedem Menschen Veränderungen i. S. einer Gonarthrose.  

Wie erkennt man eine Gonarthrose?

Der eindeutige Beleg findet sich in der Röntgenaufnahme eines entsprechend veränderten Kniegelenks. Der Befund einer Gonarthrose kann jedoch auch durch andere Verfahren wie z. B. im Rahmen einer Kniegelenkspiegelung (= Kniegelenkarthroskopie) oder durch eine Kernspintomographie gestellt werden.

Die Röntgenaufnahme stellt selbstverständlich nur die knöchernen Veränderungen dar, die im Ablauf einer Arthrose die letzten und leider auch für den Patienten meist schmerzlichsten Stadien dokumentieren.

Die schon erheblich früher, meist schon Jahrzehnte zuvor beginnenden Veränderungen des Knorpels sind zunächst nur biochemisch bzw. feingeweblich nachweisbar, schließlich kommt es zu Knorpelabrieb und –veränderungen, die man dann sowohl in der Kernspintomographie wie auch der Arthroskopie feststellen kann. In letzter Instanz verändert sich zuletzt auch der gelenknahe Knochen.  

Die Symptome einer Gonarthrose sind zwar recht typisch, können jedoch mit Beschwerden wie z. B. durch eine Kniegelenkentzündung (Gonarthritis), Kniebandverletzungen oder Meniskusschädigungen verwechselt werden. Den letztendlichen und stichhaltigen Beweis liefern nur o. a. Verfahren.  

Dennoch sollen die Symptome der Gonarthrose genannt werden:

Die Betroffenen klagen über ein Steifigkeitsgefühl des Gelenkes, verbunden mit einem Anlaufschmerz z. B. nach längerem Liegen oder Sitzen.

Die Patienten berichten auch über Schwellneigungen, Ergussbildungen des Kniegelenks, zunehmende Schmerzen nach immer geringeren Belastungen.

Auch die zunächst nur selten auftretenden Reizschübe kommen immer häufiger, das Kniegelenk braucht immer länger, um wieder in einen reizfreien Zeitabschnitt zurück zu kommen.

Im weiteren Verlauf wird die Belastungssensibilität immer stärker, insbesondere das Treppensteigen, und hier das Treppabgehen oder Bergabgehen, wird rasch schmerzhaft, fühlt sich unsicher an und führt rasch zu Reizerscheinungen.

Schließlich reduziert sich die Gehstrecke, weil immer rascher, immer stärkere Schmerzen zu einem Anhalten bei Spaziergängen zwingen.

Schlussendlich wird bei teils heftigen, mehr oder weniger ausgeprägten Ruhebeschwerden, so z. B. auch beim Schlaf, die Gelenkbeweglichkeit immer schlechter. Es kann auch zu Achsveränderungen des Kniegelenkes z. B. i. S. eines O-Beins (= Varus - Gonarthrose) sowie auch eines X-Beins (= Valgus - Gonarthrose) kommen.

Aufmerksame Beobachter gewinnen den Eindruck einer abnehmenden Stabilität des Kniegelenkes auf unebenem Boden, wie eine durch die schmerzbedingte Schonung immer weiter verschwindende Muskulatur des Oberschenkels.  

Welche Faktoren fördern Entstehung und Fortschreiten einer Gonarthrose?

Hier sind zunächst die Ursachen der sekundären Gonarthrose zu nennen.

Die Fehlstatik bedingt grundsätzlich die Überlastung eines der o. g. 3 Kniegelenkanteile mit somit überdurchschnittlich raschem Verschleiß, der dann auch entsprechend früher zu Tage tritt. Eine optimale Verteilung der Belastung ist so nicht möglich.

Zugrunde liegt hier, dass entweder die korrespondierenden Gelenkflächen nicht mehr genau aufeinander passen bzw. die Führung des Gelenkes schlechter wird und somit das „Spiel“ des Gelenkes für erhöhten Verschleiß sorgt. 

Aus Erfahrung wissen wir auch, dass nach insbesondere totaler bis subtotaler Entfernung des Meniskus durch die dann nicht mehr stimmende Gelenkstatik auch raschere degenerative Veränderungen und im Gefolge meist auch verfrüht eine Gonarthrose auftritt.

Ein weiterer, aus der Beobachtung wirksamer Faktor ist eine schlechte Muskelpflege, der das Kniegelenk führenden und stabilisierenden Muskeln, wie z. B. dem mächtigen Oberschenkelstrecker, dem vierköpfigen Musculus (M.) quadriceps, wie insbesondere bei langfristiger körperlicher Schonung, starker Immobilität besteht. Insoweit können auch grundsätzlich neurologische Erkrankungen, die zu einer verschlechterten Ansprache der Muskulatur, insbesondere jedoch auch zu einer unbalancierten Steuerung der Muskulatur und somit der Bewegungsabläufe führen, verfrüht zu einer Gonarthrose beitragen.  

Selbstverständlich sollten hier nur die häufigsten und bekannten Ursachen angeführt werden. 

Wie wird eine Gonarthrose behandelt?

Je nach Schweregrad der Gonarthrose und auch der subjektiven Beeinträchtigung des Betroffenen ist zunächst zwischen konservativer und operativer Therapie zu unterscheiden.

Zunächst soll jedoch, sofern noch möglich, ein konservativer Therapieversuch der Gonarthrose gemacht werden.

Nach vorausgehender Diagnostik, die insbesondere das Stadium der Gonarthrose durch bildgebende Verfahren, üblicherweise Röntgen, abklärt, kann nach Befragen des Patienten, eingehender klinischer Untersuchung aus einer Vielzahl sich gegenseitig ergänzender konservativer Therapieansätze ein individuelles Konzept abgeleitet werden.

Grundsätzliche Zielsetzung der konservativen Therapie ist, einerseits die Symptomatik und somit die Schmerzhaftigkeit, entzündliche Reaktion des Kniegelenks zu reduzieren, ergänzend hierzu muss jedoch durch aktivierende Maßnahmen der lokale Stoffwechsel verbessert, die Beweglichkeit des Kniegelenks vermehrt, die schützende und führende Muskulatur aufgebaut werden. 

Hierzu stehen orientierend folgende Therapieanteile zur Verfügung:

Hierunter versteht man Anwendungen im Wasser wie z. B. Bewegungsbäder, Wärme- oder Kälteanwendungen, Elektroanwendungen wie z. B. Iontophoresen oder Ultraschallanwendungen, auch Massagen. Durch diese Anwendungen soll zunächst die Symptomatik und Schmerzhaftigkeit reduziert werden.

Das große Feld der operativen Maßnahmen soll hier nur gestreift werden. Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen gelenkerhaltenden Operationen, gelenkversteifenden Operationen oder gelenkersetzenden Operationen. Nach zunächst gelenkerhaltenen Operationen wie z. B. einer Achsumstellung des Kniegelenks (z. B. valgisierende Tibiakopfosteotomie) wird dann meistens nach einigen Jahren langsamer fortschreitender Gonarthrose dennoch eine weitere Operation erforderlich, heutzutage meist die gelenkersetzende Operation, bei der mit mittlerweile geringer Komplikationsrate, sehr gutem Erfolg Schlittenprothesen oder Knietotalendoprothesen eingesetzt werden, wobei es hier sogenannte gekoppelte oder ungekoppelte Totalendoprothesen (TEP) gibt.

Diese Operationen stehen am Ende einer arthrotischen Entwicklung, führen jedoch zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensqualität mit meist Beschwerdefreiheit und deutlich gestiegener Belastbarkeit.

Gelenkversteifende Operationen werden heutzutage nur noch in Spezialfällen oder nach Versagen der gelenkersetzenden Operationen durchgeführt.  

Welchen Vorteil habe ich von der Durchführung einer stationären Rehabilitationsmaßnahme bei Gonarthrose?

Die stationäre, gebündelte Behandlung einer Gonarthrose führt erheblich schneller zu einer Verbesserung der Gesamtsituation, der Schmerzhaftigkeit, der Lebensqualität als dies eine sporadische, sich auf wenige Anwendungen beschränkende, sogenannte niederfrequente ambulante Therapie erwarten lässt.  

Insbesondere können wir stationär individuell auf die Besonderheiten des einzelnen Betroffenen eingehen und auch rasch auf Veränderungen, Reizzustände des Kniegelenks reagieren. Neben der Möglichkeit, zeitnah den Arzt zu kontaktieren, besteht auch die Möglichkeit mit den Therapeuten in engem Kontakt Fragen zur weiteren Therapie, zu eigenen Übungen zu klären. Hier nimmt man sich die Zeit, um Ihnen den Umgang mit der Gonarthrose zu erläutern, Sie werden schließlich lernen, wie mit dieser langsam fortschreitenden und letztlich nicht zu heilenden Erkrankung umgegangen werden muss. Jeder Fachbereich trägt hierzu bei.  

So können Sie von unseren Krankengymnasten erwarten, dass diese ein individuelles, auch täglich den Notwendigkeiten folgendes therapeutisches Regime verfolgen, das neben der Verbesserung der Beweglichkeit insbesondere den Muskelaufbau im Auge hat. Ein häusliches Übungsprogramm wird für Sie verständlich formuliert und dient zur weiteren Muskelpflege und Muskelaufbau.  

Die Vielzahl physikalischer Therapieformen, wie oben bereits erwähnt, trägt letztendlich begleitend und auch vorbereitend zu einer Verringerung der Schmerzen, Verbesserung der lokalen Stoffwechselsituation zur Abschwellung des arthrotischen Kniegelenks bei und unterstützt somit das Gesamtkonzept.  

Ergotherapeutisch können Sie bei Bedarf erlernen, mit welchen Hilfsmitteln Sie Ihre häuslichen oder auch beruflichen Tätigkeiten trotz Gonarthrose wieder besser wahrnehmen können, es können auch Techniken und Schulungen zur Vermeidung gelenkzerstörender Bewegungsabläufe vermittelt werden. Auch in diesem Fachbereich sind, über einen anderen Ansatz, Muskelaufbau, Gangschulung möglich. 

Je nach Stadium der Gonarthrose ist auch ein sportliches Engagement noch gut möglich, hierzu bietet unsere Sportabteilung z. B. über Walking, Stickwalkung, Schwimmen, Rückenschwimmen, Ball- und Bandgruppe und weitere Therapieformen weiträumige, in der Belastbarkeit abgestufte Therapien an.

Bei dem Sie therapeutisch führenden Arzt schließt sich wiederum der bei der Aufnahme und Beratung begonnene Kreis, er wird Ihnen unter Sammlung der gewonnenen Erkenntnisse, Sichtung der Unterlagen und nach Untersuchung raten können, wie Sie das tägliche Leben am besten meistern, Sie zu Hause weiter vorgehen sollen, ob evtl. eine Operation, und welche, ansteht. Auch die begleitende medikamentöse Therapie liegt in seinen Händen und wird das Therapieergebnis abrunden.

Nicht zu vergessen ist auch, dass wir uns z. B. im Rahmen der Schulungen und Ernährungsberatung um das meistens durch die Schonung eher noch stärker auftretende Problem des Übergewichts kümmern. Bekanntermaßen wird eine bereits aufgetretene Arthrose, so auch die Gonarthrose, durch ein Übergewicht in ihrem Fortschritt deutlich beschleunigt, so dass hier mit weiteren positiven Effekten für den gesamten Körper, auch erhebliche Pluspunkte für eine Verringerung der Symptomatik und Verringerung des Verschleißes gesammelt werden können.  

Sollten Sie bereits am Kniegelenk operiert worden sein, z. B. i. S. einer Meniskus-Operation, einer Korrekturosteotomie, aber auch einer gelenkersetzenden Operation wie z. B. Implantation einer Knie-TEP sind Sie mit den selben Therapiegrundsätzen, aber anderer Kombination bei uns bestens aufgehoben. Aus enger Zusammenarbeit mit den überweisenden Kliniken und auch aus unserer eigenen Ausbildung heraus sind wir bezüglich der verwendeten Operationstechniken „up to date“ und können das therapeutische Regime der operierenden Häuser in der Nachbehandlungsphase nahtlos fortsetzen. Wegen der Vielzahl der möglichen operativen Eingriffe soll hier auf eine Nennung ebenso vielfältiger grober Konzepte, die alle individuell abgewandelt werden müssen, verzichtet werden.  

Was ist das Entscheidende an der Behandlung einer Gonarthrose?

Aus unserer Sicht sollte, sobald die Diagnose Gonarthrose eindeutig belegt ist, eine umfassende Schulung des Patienten erfolgen, damit er mit der Erkrankung, insbesondere jedoch auch mit den Einschränkungen von Belastbarkeit, Beweglichkeit des Kniegelenks umgehen kann. Insbesondere sollte Wissen über die zu vermeidenden Belastungen oder Bewegungsabläufe genauso wie über die wünschenswerten Belastungen oder Bewegungsabläufe weitergegeben werden.

In starker gegenseitiger Verknüpfung und somit einem Gesamtkonzept folgend, sollte entlang der individuellen Belastbarkeit des Patienten und seiner Beschwerden eine Reduktion der Symptomatik durch konzentrierte physikalische Therapie erfolgen, damit er andererseits für aktivierende Anwendungen, also Muskelaufbau, Verbesserung der Beweglichkeit und somit Steigerung der Gelenkbelastbarkeit, vorbereitet ist. Idealerweise sollte dies unter ständiger Kontrolle eines Arztes bzw. entsprechend ausgebildeter Therapeuten erfolgen, die zeitnah auf Reizerscheinungen oder Befindlichkeitsstörungen reagieren können. Begleitend kann und muss hier von Fall zu Fall medikamentös unterstützt werden.

Es ist erkennbar, dass eine solch komplexe und dichte wie breite Therapie idealerweise in einem stationären Rahmen angeboten werden kann, da Sie nur hier alle Therapieformen unter einem Dach in entsprechender Menge erhalten können und von den Belastungen des täglichen Lebens bis hin zur Selbstversorgung befreit sind.  

Da die Arthrosen, wie auch die Gonarthrose, in ihrem Ablauf lediglich zu bremsen, kurzfristig aufzuhalten, aber nicht wirklich zu heilen sind, ist eine möglichst frühzeitige konzentrierte Therapieanstrengung seitens der Betroffenen nötig, um weitere, z. B. operative Schritte möglichst noch weit hinaus schieben zu können.  

Zusammengefasst sollte möglichst früh nach Diagnosestellung der Gonarthrose dem Patienten das Wissen über die Erkrankung, den Ablauf, die Therapieoptionen und vor allen Dingen der eigene therapeutische Anteil vermittelt werden. Dies können Sie von uns erwarten. Da eine Arthrose einen langjährigen Beschwerdeverlauf nimmt, ist eine z. B. kompakte Reha-Maßnahme von etwa 3 Wochen Dauer eine lohnenswerte Investition, die sich auf lange Sicht „bezahlt“ macht.

Wir freuen uns, wenn wir Ihnen helfen können.

Fachabteilung Orthopädie/Unfallchirurgie der Klinik am Homberg

Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.  



 


Weitere Informationen

Sekretariat der Abteilung Orthopädie

Telefon 05621 793-929
Fax 05621 793-293
E-Mail
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Chefarzt Dr. med. Thomas Kröninger


 


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