Klinik am Homberg, Bad Wildungen, Fachklinik für Orthopädie, Psychosomatik und Psychotherapie
Druckversion vom 02.12.2010
URL: http://www.klinik-am-homberg.de/hallux-rigidus.html
Was ist ein Hallux rigidus?
Dies ist zu übersetzen mit „steife Großzehe“. Synonyme für den Hallux rigidus sind auch Hallux non extensus, Hallux limitus und im Sonderfall der Beugekontraktur Hallux flexus.
Zusammengefasst besteht hier eine deformierende Arthrose im Großzehengrundgelenk.
Wie entsteht ein Hallux rigidus?
Leicht nachzuvollziehen ist die sekundäre Entstehung, falls z.
B. eine Verletzung wie starke Prellung, Fraktur des
Großzehengrundgliedes oder des Köpfchens Mittelfußknochen I
vorranging.
Ebenfalls sekundäre Veränderungen können Entzündungen oder
Stoffwechselstörungen wie die Gicht erzeugen, die Schleimhäute,
Knorpel und somit letztendlich die Gelenkmechanik wiederholt und
schließlich dauerhaft schädigen.
Wie der primäre Hallux rigidus entsteht, ist nicht sicher zu sagen. Man diskutiert jedoch, ähnlich den Problemen beim Hallux valgus, eine Störung der Biomechanik durch muskuläre Dysbalance.
Wer sind die Betroffenen bei Hallux rigidus?
Überwiegend sind Männer betroffen. Der primäre Hallux rigidus tritt häufig einseitig auf. Die Erkrankung tritt in allen Altersstufen auf, beginnt häufig schon in der Jugend. Orthopädisch „schlechtes“ Schuhwerk scheint auch hier bei hohem Absatz die Erkrankung zu begünstigen.
Woran erkennt man einen Hallux rigidus?
Immer kommt es zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung des Großzehengrundgelenkes. Somit ist das Abrollen schmerzhaft eingeschränkt, die Belastbarkeit bei längeren Gehstrecken ist erheblich herabgesetzt. Meist bleibt in der Fortentwicklung der Erkrankung zunächst noch eine ausreichende Beugefähigkeit der Großzehe (sohlenwärts) erhalten, die jedoch erheblich wichtigere Streckfähigkeit (fußrückenwärts) für den Abrollvorgang verringert sich immer mehr, bis schließlich im schlimmsten Falle die Großzehe im Grundgelenk in einer Beugestellung einsteift. Durch eine Überstreckung im Endgelenk, die schließlich auch einsteift, wird noch eine geringe Abrollfähigkeit erhalten.
Wegen des extrem schmerzhaften Abrollens bei fortschreitender Erkrankung ändert sich schließlich auch das Gangbild. Es kommt zu einem Schongang, teils auch Schonhinken an der betroffenen Seite, jedoch sehr häufig zu einem Abrollen über die Fußaußenkante, manchmal auch mit Innenrotationstendenz des gesamten Fußes. Selbstverständlich kann so der Zehenstand nicht mehr schmerzfrei demonstriert werden, Treppensteigen, Bergaufgehen sind sehr schmerzhaft.
Bei der Betrachtung des Fußes fällt häufig ein verdicktes Großzehengrundgelenk auf, manchmal gerötet, erheblich druckschmerzhaft und überwärmt. Die Beweglichkeit ist schmerzhaft, und, wie vorbeschrieben, eingeschränkt.
Das angefertigte Röntgenbild zeigt die degenerativen Veränderungen des Großzehengrundgelenkes mit Gelenkspaltverschmälerung (Knorpelverschleiß), Veränderungen der Knochenzeichnung durch subchondrale Sklerosierung, typischerweise erhebliche rosendornartige Spornbildungen oder Cystenbildungen. Diese Diagnostik kann sowohl vom Hausarzt, in Krankenhäusern wie in der Reha durchgeführt werden.
Wie ist der Hallux rigidus zu behandeln?
Grundsätzlich ist hier eine nur selten erfolgversprechende konservative Therapie und eine meist anzuwendende operative Therapie möglich.
Konservative Therapie bei Hallux rigidus:
Meist beim Hausarzt, nicht in der Reha-Klinik, ist im Frühstadium der Einsteifung die Grunderkrankung zu therapieren, also beispielsweise die vorangegangene Verletzung, die lokale Entzündung oder auch die zugrunde liegende Stoffwechselerkrankung, z. B. die Gicht.
Initial und in frühen Stadien kann z. B. durch selbständige manuelle Therapie mit Zug und Verschiebungen am Endglied (Demonstration durch z.B. Krankengymnasten), Training der Streckbewegung die Beweglichkeit im Großzehengrundgelenk verbessert bzw. eine gewisse Zeit erhalten bleiben.
Schuhversorgung:
Aufgrund der schmerzhaften Einsteifung, die sich insbesondere beim Abrollen des Vorfußes bemerkbar macht, müssen entweder Einlagen das Abrollen im Großzehengrundgelenk verhindern und/oder der Schuh die Abrollarbeit übernehmen. Entsprechend sind hier starre Einlagen, z.B. aus Metall, nach Maß erforderlich. Diese können z. B. auch in einer Reha-Klinik angefertigt werden. Ebenfalls kann durch eine Ballenrolle unter dem (vorderen) Schuh Entlastung ermöglicht werden, so dass die Abrollarbeit vom Großzehengrundgelenk ferngehalten wird. Hierzu muss natürlich begleitend die Sohle des Schuhs selbst versteift werden. Alternativ kann auch eine Rigidus-Federeinlage rezeptiert werden.
Operative Therapie:
Die operative Therapie ist selbstverständlich nicht Inhalt einer Reha-Behandlung. Wir können jedoch, wie auch die Hausärzte, und insbesondere die operierenden Kollegen aus Chirurgie und Orthopädie, zu der großzügig zu stellenden Indikation beim Erwachsenen Stellung beziehen.
Es gibt verschiedene operative Verfahren. Ziel ist jedoch immer die Mobilisation des versteiften Gelenkes durch (Teil-) Entfernung zumeist eines der defekten Gelenkpartner, somit besseren Funktionsverhältnisse beim Gehen und im Idealfalle Schmerzfreiheit.
Der Interessent sollte sich bei einem erfahrenen Operateur aus dem Fachbereich der Chirurgie oder Orthopädie erkundigen, der unter Einbeziehung des klinischen und radiologischen Bildes und seiner Möglichkeiten eine erfolgversprechende Therapie vorschlägt und erörtert.
Wir freuen uns, wenn wir Ihnen helfen können.
Ihr Dr. med. R. Wieczorek
Arzt für Orthopädie, Physikalische Therapie,
Chirotherapie/Sportmedizin
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Sekretariat der Abteilung Orthopädie Telefon 05621 793-929
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