Klinik am Homberg, Bad Wildungen, Fachklinik für Orthopädie, Psychosomatik und Psychotherapie
Druckversion vom 02.12.2010
URL: http://www.klinik-am-homberg.de/schnellender-trigger-finger.html
Schnellender Finger: Definition
"Schnellender Finger“ - hier handelt es sich um ein mehr oder weniger ausgeprägtes, teils schmerzhaftes Schnappen des Fingers bei Beugung oder Streckung. Manchmal kann auch eine vollständige Beuge- oder Streckhemmung des betroffenen Fingers resultieren.
Schnellender Finger: Ursache
Ursache eines schnellenden oder schnappenden Fingers ist eine Verdickung von Beugesehne und der Sehnenscheide. Der teils auch durch äußere Faktoren veränderliche Grad der Verdickung erklärt, warum das Schnappen unterschiedlich intensiv auftritt.
Die primär durch Überlastung, degenerative Veränderung, alte Verletzung oder Teildurchtrennung der Sehne entstehende / begünstigte Schwellung führt zu der dann auch tastbaren knotigen Verdickung der Sehne in Höhe des ersten Ringbandes, also im Bereich des Fingergrundgelenks.
Dieser „Sehnenknoten“ kann teils nur unter Schmerzen und mit erhöhtem Kraftaufwand unter dem die Sehne zurückhaltenden und führenden Ringband durchgezogen werden, was schließlich zu dem sprunghaften, teils schmerzhaften Schnappen des Fingers führt. Die unter dem Ringband liegende Sehnenscheide wird am Ober- wie Unterrand des Ringbandes eingeschnürt, was das Schnappen wiederum verstärkt.
Tumoren der Sehne sind äußerst selten als Ursache zu finden.
Schnellender Finger: Symptomatik (=Klinik)
Der schnellende Finger kann in jedem Lebensalter auftreten und zeigt typischerweise beim Strecken der Finger eine schnellende, schnappende Bewegung mit erhöhtem Kraftaufwand für die Streckung, teils schmerzbehaftet. Erst in fortgeschrittenen Fällen kann die Streck- oder Beugefähigkeit der Finger deutlich eingeschränkt sein bzw. zu einer vollständigen Beuge- oder Streckhemmung führen.
Bei Kindern muss an eine nicht angelegte Strecksehne gedacht werden, speziell beim Daumen kann es durch einen Knoten der langen Daumenbeugesehne bei Säuglingen zur Streckbehinderung im Endgelenk führen (=Pollex flexus congenitus).
Zur Diagnose führt neben den bereits genannten Schmerzen bei Beugung oder Streckung des Fingers in Höhe des druckschmerzhaften Fingergrundgelenks (genauer des Köpfchens vom Mittelhandknochen) das plötzliche Schnappen des Fingers bei zunehmender Beugung oder Streckung im Fingermittelgelenk oder dem Daumenendgelenk. Hier ist auch teilweise ein Reiben tastbar, man findet fast immer eine knotige Verdickung der Sehne, die sich simultan zur Bewegung des Fingers verfolgen lässt. Der Knoten findet sich im Bereich des Fingergrundgelenks, kann entsprechend der wechselnden Schwere des Schnappens auch unterschiedlich gut tastbar und ausgeprägt sein. Auch mehrere Finger können betroffen sein.
Bei der typischen klinischen Symptomatik und dem leicht zu erhebenden Befund ist ein Röntgenbild nur in besonders gelagerten Fällen notwendig.
Schnellender Finger: Therapie des Daumens
Konservative Therapie:
Bei erstmaligem Auftreten, nur geringer Symptomatik kann die vorsichtige Injektion von Cortison in die Beugesehnenscheide die Symptomatik meist jedoch nur vorübergehend zurückdrängen. Außerdem muss unbedingt die Infiltration der Sehne selbst mit einem Corticoid vermieden werden, damit die Sehnenstruktur nicht geschwächt wird und später eine Sehnenruptur daraus resultiert. Deswegen wird dieses Verfahren bei Kindern grundsätzlich nicht angewendet.
Schnellender Finger: Operative Therapie
Meist ist die konservative Therapie nur kurzfristig und vorübergehend wirksam, insoweit wird im Rahmen eines auch ambulant möglichen und kurzen Eingriffs die Beugesehnenscheide in Längsrichtung, also in Zugrichtung der Sehne, gespalten, womit gleichzeitig die Einschnürung der Sehnenscheide wie auch die ödematöse Auftreibung der Sehne rückläufig werden sollte, auch das Hindernis für den Sehnenknoten verschwindet.
Bei diesem insgesamt relativ risikoarmen Eingriff ist lediglich auf in der Nähe verlaufende Gefäßnervenbündel und deren Verletzung zu achten, auch die womöglich nur inkomplette Durchtrennung des Ringbandes würde nur einen teilweisen therapeutischen Effekt erbringen.
Wir hoffen, Ihnen Einblick in dieses subjektiv sehr störende, jedoch meist unproblematisch behandelbare Krankheitsbild gegeben zu haben.
Dr. med. R. Wieczorek
Arzt für Orthopädie, Physikalische Therapie,
Chirotherapie/Sportmedizin
|
Sekretariat der Abteilung Orthopädie Telefon 05621 793-929
|