
Warum den Kopf zerbrechen?
Alles Wissenswerte zu Kopfschmerzen und Migräne im wöchentlichen Kopfschmerzseminar der Klinik am Homberg.
„Volkskrankheit Schmerz – was der Körper über die Seele verrät“
der Leitartikel des Spiegels im September 2008 signalisiert zum einen das hohe Leidenspotential vieler Menschen (2,5 Mio. Deutsche schmerzt täglich der Kopf), ca. 5-10% der Bevölkerung leidet unter einer chronischen Kopfschmerzform mit oft jahrzehntelangem Verlauf und häufig unzureichenden oder nicht effektiven Behandlungsversuchen. Frau Dr. Schulze, die Chefärztin der Psychosomatischen Abteilung der Klinik am Homberg in Bad Wildungen, führt seit Januar 2007 ein wöchentliches Kopfschmerzseminar durch, und zwar bewusst nicht nur für die Patienten ihrer Klinik, sondern auch für alle Interessierte und Betroffene der regionalen Bevölkerung. Dabei möchte die Ärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Ärztin für Allgemeinmedizin entsprechend ihrem Verständnis für Psychosomatik die Betroffenen ausführlich informieren über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über Kopfschmerzen und deren Ursachen sowie Behandlungsmöglichkeiten. Dabei werden neben genetischer Veranlagung, Hormonschwankungen, bestimmte Lebensmittel, Alkohol, Nikotin und insbesondere Stressfaktoren als Ursachen ausführlich diskutiert. Der intensive Erfahrungsaustausch der Patienten weist häufig auf erhebliche psychosoziale Auslöser und auch auf bestimmte Persönlichkeitseigenschaften besonders bei Migränikerinnen hin wie Neigung zum Perfektionismus, mangelnde Abgrenzungsfähigkeit etc.
Das Seminar soll zum einen die Patienten in die Lage versetzen, die Art ihrer Erkrankung genauer zu differenzieren (regelmäßiges Führen eines Kopfschmerztagebuches) und dadurch auch entscheidend mit zur Diagnose ihrer Kopfschmerzen beitragen. Zum anderen sollen sie in die Lage versetzt werden, als eigene Experten ihrer Krankheit diese differenziert und eigenverantwortlich behandeln zu können. Sie erfahren Möglichkeiten der Vermeidung ihrer Auslöser, aktive physikalische und sporttherapeutische Ansätze, Durchführung von Entspannungsverfahren oder auch eigenaktive Elektrotherapie (z. B. mittels eines TENS-Gerätes = transkutane Elektronervenstimulation) oder Akupressur-/ Akupunktur-Behandlung. Damit können sie jederzeit und selbst aktiv ihre Krankheitssymptome lindern, Attacken reduzieren oder sogar im Vorfeld verhindern.
Erst durch eine klare Differenzierung der „164 verschiedenen Kopfschmerzformen“, wovon alleine 92% auf die 4 chronischen Kopfschmerzformen Migräne mit/ohne Aura, Spannungskopfschmerz, Schmerzmittelkopfschmerz und Cluster-Kopfschmerz entfallen, wird der Patient in die Lage versetzt, z. B. von Halswirbelsäulen-bedingten Kopfschmerzen oder internistisch bedingten Erkrankungen (Hypertonie, Diabetes, Schilddrüsenfehlfunktion, Fehlsichtigkeit, Augenerkrankungen, Nasennebenhöhlen-Erkrankungen, Gehirnentzündungen oder Unfallfolgen) mit begleitenden Kopfschmerzen zu unterscheiden. Dem modernen Gesundheitsgedanken folgend, kann der Patient dann durch eine differenziertere Selbstbeobachtung seinem behandelnden Hausarzt bzw. Fachärzten anamnestisch wertvolle Hinweise für die dann von ärztlicher Seite weiter auszuführende Differentialdiagnostik geben. Die „richtige Diagnose“ ist natürlich entscheidend für die „richtige Therapie“.
Hier gibt es in den letzten 40 Jahren erhebliche Fortschritte in der Erkenntnis über Schmerzphysiologie, Schmerzgedächtnis und Gate-Control-Theorien, wann Schmerzen chronisch werden und wann ein Schmerzreiz bis ins Gehirn und damit ins Bewusstsein vordringt und wie vielfältig und individuell letztendlich jede Schmerzwahrnehmung von jedem einzelnen Menschen und dessen Erfahrungen abhängt. In den letzten 15 Jahren gab es erhebliche Fortschritte in den wissenschaftlichen Erkenntnissen, besonders bezüglich der Ursachenforschung von Migräne, wobei inzwischen die bekannte familiäre Häufung durch den Nachweis eines Migräne-Gens bei dieser chronischen Erkrankung auch wissenschaftlich erklärt werden kann.
Im Bereich der Pharmakotherapie bahnbrechend war die Entdeckung spezifischer Migränemedikamente (Triptane), die ausschließlich in der Phase 2 der entzündlich erweiterten Hirngefäße diese wieder auf ein Normalmaß zurückführt. Obgleich diese Medikamente zumindest in Deutschland noch sehr kostenintensiv sind, belasten diese die deutsche Volkswirtschaft deutlich geringer (verordnete Migränemittel in Deutschland 77 Mio. €/Jahr) gegenüber den von Patienten selbst erworbenen rezeptfreien Mitteln (665 Mio. €/Jahr). Hier wirkt sich die falsch verstandene Selbstmedikation von Patienten fatal aus, da zum einen die internistischen Nebenwirkungen von sogenannten „Mischpräparaten“ erheblichen Langzeitschäden innerer Organe den Weg bereitet und zum anderen diese leider häufig den noch sehr wenig bekannten „Schmerzmittelkopfschmerz“ auslösten. Dieser tägliche Dauerkopfschmerz wird durch die Selbstmedikation der Patienten im Teufelskreis Kopfschmerz/ Medikament/ Schmerzmittelkopfschmerz ständig weiter verstärkt. Dadurch leidet der Patient unnötigerweise, erleidet erhebliche langfristige Nebenwirkungen und treibt zusätzlich eigene Behandlungskosten in die Höhe, ohne dass eine adäquate Kopfschmerzbehandlung zum Einsatz kommt.
Die Patienten im Kopfschmerzseminar sind häufig sehr erschrocken, wenn sie bereits ab einer Einnahme von 14 Kopfschmerztabletten pro Monat über die Gefahr eines Schmerzmittelkopfschmerzes aufgeklärt werden. Dadurch gelingt es aber, insbesondere bei den besonders häufigen chronischen Spannungskopfschmerzen für die o. g. nicht-medikamentösen Therapien zu werben, wie regelmäßige Durchführung eines Entspannungsverfahrens, regelmäßige Durchführung von Ausdauersportarten wie Fahrradfahren, Nordic Walking, Schwimmen etc. und aktive Vermeidung von Kopfschmerzauslösern.
Im Rahmen des Seminars diskutiert Frau Dr. Schulze auch ausführlich über Migräne und Spannungskopfschmerzen als Ausdruck einer psychosomatischen Erkrankung. Sie verdeutlicht den häufigen Zusammenhang zwischen Schmerz und Depression (40% Komorbidität) oder mit Ängsten (Versagens-/Zukunftsängste, Angst vor dem Migräneanfall etc.). Hinzu kommen häufige Auslöser wie Stress, hoher beruflicher Leistungsdruck bei Arbeitsverdichtung und Personalabbau, aber auch zunehmenden psychosozialen Problemen im familiären und weiteren sozialen Umfeld. Häufig erkennen sich die Patienten selbst wieder in ihrem besonders für Kopfschmerzpatienten typischen perfektionistischen Verhaltens, Neigung zur Überforderung, mangelnden Abgrenzungsfähigkeiten und schließlich mangelnden Stressbewältigungsstrategien.
Die Erkenntnisse aus dem Kopfschmerzseminar können die Patienten dann direkt im Rahmen ihrer psychosomatischen Rehabilitation umsetzen, indem sie Stress- und Konfliktbewältigungsstrategien erlernen und direkt anwenden, aktive Kompensationsmöglichkeiten durch Sport und Entspannungsverfahren durchführen und mittels Psychotherapie sich selbst besser verstehen lernen und einen aktiven Veränderungsprozess ihrer eigenen Verhaltensweisen einleiten können. Dies fördert maßgeblich den gesamten Reha-Prozess und den aktiven beruflichen Reintegrationsprozess, indem Patienten aktives Handwerkzeug für einen besseren Umgang bzw. eine bessere Krankheitsbewältigung mit nach Hause nehmen können zur besseren Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft und am Arbeitsleben.
Gesundheitstraining Thema: Worüber den Kopf zerbrechen?Termine finden Sie auf der Startseite
Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
Dr. med. Heike Schulze, Chefärztin
Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Fachärztin für Allgemeinmedizin
Sozialmedizin / Rehabilitationswesen/ Psychotherapie
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
Sekretariat der Abteilung Psychosomatik/Psychotherapie
Telefon 05621 793-289
Fax 05621 793-292
E-Mail jakelb@klinik-am-homberg.de
zur Abteilung
Psychosomatik/Psychotherapie

Chefärztin Frau Dr. med. Heike Schulze
© 1997- Wicker-Gruppe |
Seite empfehlen |
Seitenübersicht |
Artikelübersicht |
Suche |
Aktualisiert am 02.12.2010